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Ausstellung

James Castle – Ausstellung in Köln

James Castle
Die Galerie Karsten Greve widmet James Castle (1899-1977) die erste Werkschau mit begleitendem Katalog in Deutschland. James Castle gehört mit seinem umfangreichen Werk aus Collagen, Zeichnungen, Büchern und Assemblagen zu den interessantesten Entdeckungen der nordamerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten, die jahrzehntelang nur im regionalen Kontext oder missverständlich in Gruppenausstellungen zur Outsider Art ausgestellt wurden, rücken in den letzten Jahren zunehmend in den Blick von Sammlungen und Museen. Castle fasziniert durch zeichnerische Perfektion, Materialästhetik und durch vielfältige Bezüge zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Ohne dass er je persönlichen Kontakt hatte, lassen seine Papierarbeiten an die Collagen der europäischen Kunst vor 1945 denken, und mehr noch an den Blick der Pop Art auf die Alltagsästhetik und Gebrauchsgrafik der amerikanischen Nachkriegsära.

James Castle wurde in Idaho geboren und war von Geburt an taub. Er hat sich der gesprochenen Sprache verschlossen und weder lesen noch schreiben gelernt, aber schon als Kind sehr intensiv gezeichnet. Mittels Zeichnungen hat er mit seiner Familie kommuniziert, mehr noch war seine Kunst für ihn jedoch eine Möglichkeit der Weltaneignung und Reflexion. James Castle verbrachte sein gesamtes Leben bei seiner Familie in Garden Valley. Prägend für seine Kunst war, dass sein Vater jahrelang neben der Farm einen Laden und die Poststelle im Ort betrieb. Die Verpackungen, Pappen und Werbebroschüren sammelte James Castle und nutzte die Rückseiten als Zeichenpapier, die Aufdrucke als visuelle Anregung und Collagematerial. Aus Ofenruß und Krepppapier mischte er mit Speichel seine Farben, die er mit gespitzten Stöcken und weichen Pappröllchen aufbrachte. In konzentrierter Arbeit entstanden faszinierende und konzeptuelle Werkreihen und -gruppen, die neben einem außergewöhnlichen Gespür für Materialien eine sehr komplexe räumliche Organisation besitzen. James Castle interessierten die ländlichen Gebäude, die Häuser, Scheunen und Zäune, die er reduziert und in genauer Perspektive wiedergab. Innenräume wurden immer wieder mit ihrer einfachen Möblierung und ihren Flächenstrukturen aus Holzbalken und Tapetenrapporten in wechselnden Ansichten vergegenwärtigt. In manchen Interieurs stellte er Gruppen seiner Werke wie in imaginären Ausstellungen dar. Daneben entstanden Buchobjekte, Skulpturen und Collagen aus Buchstaben und Brandmarks. Diese Faszination für Schriftzeichen und Zahlen mag zunächst verblüffen, weil nie ganz geklärt werden konnte, wie weit sein inhaltliches Verständnis der Texte reichte. Der visuelle Reiz der grafischen Zeichen und die Komplexität der Bücher, die er mit eigenen Zeichnungen füllt, teilt sich jedoch jedem Betrachter angesichts der phantastischen Objekte von James Castle unmittelbar mit.

James Castle wurde zu Lebzeiten nur einem kleinen Kreis von Kunstinteressierten bekannt, wobei seine Arbeiten früh andere Künstler begeistert haben, die sich für ihn einsetzten. Er selbst erlebte noch die Eröffnung seiner ersten Einzelausstellung im Museum der Landeshauptstadt Boise. Mit der ersten wissenschaftlich aufgearbeiteten Retrospektive im Philadelphia Museum of Art 2009 wurde er international wahrgenommen. In diesem Jahr hat das Museum Reina Sofia in Madrid James Castle die erste große europäische Retrospektive gewidmet, die in Auswahl im Mai 2012 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf zu sehen sein wird.

Ausstellung und Katalog entstanden in Zusammenarbeit mit James Castle Collection and Archive.

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