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Erneut sorgten einige hochkarätige Altmeistergemälde für einen turbulenten Auftakt der Frühjahrsauktion bei Stahl in Hamburg. Das Portrait einer eleganten jungen Dame von Louis-Michel van Loo erlöste 20.000 €. Auch für einen ‘Geldzählenden Kaufmann‘ von Arnold Boonen fiel der Hammer bei 20.000 € und damit deutlich jenseits dessen, was der Künstler in den vergangenen Jahren auf den internationalen Handelsplätzen wie London oder New York erzielt hatte. Ebenfalls sehr solide Zuschläge brachten ein ‘Herrschaftlicher Park‘ von Isaac de Moucheron mit 6.600 € sowie die ‘Rastende Kavallerie‘ von Pieter van Bloemen mit 4.900 €. Erfreulich war die Steigerung eines kleinen Gemäldes mit ‘Diana und ihren Nymphen beim Bade‘ von Cornelis van Poelenburgh aus der Sammlung des Preußischen Königshauses, das sich von 1.800 € auf 4.800 € verbesserte. Die in der Art der Niederländer des 17. Jhs. gemalten ‘Segelschiffe vor der holländischen Küste‘ von Hermann Henry op den Heyde wechselten für 5.500 € den Besitzer.
Während die typischen Barbizon-Landschaften von Léon Richet in letzter Zeit selbst in Paris und London häufig niedrige Zuschläge erzielten oder gar zurückgingen, konnte Stahl eine ‘Landschaft mit Teich‘ für respektable 5.200 € verkaufen. Die ‘Fischer im Fjord‘ von Georg Anton Rasmusssen kehren für 4.000 € nach Norwegen zurück, Themistokles von Eckenbrechers ‘Postschiffe‘ dagegen, ebenfalls in einem Fjord, werden das Geburtstagsgeschenk eines US-amerikanischen Sammlers an seine Frau (5.500 €). Angesichts des Motivs sehr beachtlich ist das Ergebnis für eine Landschaft von Edward Cucuel. Statt badender Damen am Starnberger See ist nämlich die Zugspitze zu sehen, dennoch investierte ein deutscher Liebhaber 6.600 €. Von der bisher gänzlich unbekannten Agnes Stamer brachte Stahl das Bildnis einer Dame im Atelier auf den Markt; möglicherweise ein Selbstportrait. Ein Sammler erkannte die Qualität und genehmigte 3.000 €. Ein Blick auf regen Bootsverkehr vor dem Uhlenhorster Fährhaus in Hamburg bei Nacht von Carl Christoph Hartig konnte sich auf 5.200 € steigern.
Ernst Eitners außergewöhnlicher ‘Dampfbagger‘ in leuchtenden Farben erbrachte gute 13.500 €, das frühe Aquarell ‘Frühling‘ von der Hand desselben Künstler weit überdurchschnittliche 9.000 €. Auch der beliebte Johannes Holst zeigte wieder sein Potential. Zwei Gemälde mit Großseglern im Sturm wurden für 6.000 € bzw. 5.200 € verkauft.
Niemand wird sich wundern, daß die großen Namen der Klassischen Moderne für gute Zuschläge sorgten. ‘Nature Morte aux Poires et au Pichet‘, eine große Farbaquatinta von Picasso von 1960 (15.000 €), bereichert in Zukunft die Sammlung eines erfolgreichen deutschen Künstlers. Marc Chagall war mit ‘Les Champs-Élysées‘ am Start, einer Farblithographie von 1954. Stahl erzielte dafür sehr gute 11.000 €. ‘Der Bär‘, eine Lithographie von Edvard Munch aus dem Zyklus ‘Alpha und Omega‘ von 1908, war einem Liebhaber 3.000 € wert. Kein unsigniertes Exemplar dieser Graphik hat jemals ein besseres Ergebnis erzielt. Eine neue Bestmarke konnte Stahl mit einem Preis von 6.600 € auch für den Leipziger Heinz Zander setzen, der mit seiner Vorliebe für groteske Themen in Verbindung mit altmeisterlicher Manier auf dem Weg zu einem Klassiker der zeitgenössischen Malerei ist.
Im Rahmen der modernen Künstler-Keramik wurde ein ganz besonderes Highlight aufgerufen: Der Krug „Visage au nez noir“ vom Jahrhundert-Künstler Pablo Picasso rief bereits im Vorfeld großes Interesse hervor. Seine moderate Anfangstaxe von 3.800 € konnte das interessante Stück weit hinter sich lassen und kletterte nach einem beherzten Schlagabtausch zwischen mehreren Telefonbietern auf stolze 20.000 € - ein Zuschlag der sich im weltweiten Vergleich mehr als sehen lassen kann und das internationale Niveau des Auktionshauses Stahl unterstreicht.
Auch beim Porzellan riefen die Künstler-Entwürfe eine große Nachfrage hervor: Das Meissner Speiseservice vom Jugendstil-Genie Richard Riemerschmid konnte einen Zuschlag von 9.500 € verbuchen. Auch bei weiteren Objekten aus dieser gesuchten Serie kamen mehrere Porzellan-Sammler zum Zuge. Um ein seltenes Angebot handelte es sich auch bei der Gruppe von 3 Morisken-Tänzer aus der Manufaktur Allach (8.000 €). Die außergewöhnliche Meissner Potpourri-Vase mit Leopardenfell wird in Zukunft einen einheimischen Kunstliebhaber erfreuen (6.600 €).
Figürlich ging es auch in der Rubrik Skulpturen und Bronzen weiter: Die fein gearbeitete Elfenbein-Skulptur 'Geburt der Venus' erreichte 5.700 €. Die spätgotische Holz-Skulptur 'Heilige Margarethe von Ungarn' wurde für 5.500 € zugeschlagen werden. Auch bei den Bronzen zogen die klangvollen Namen, wie der des bedeutenden dänischen Bildhauers Theodor Esbern Philipsen. Er war mit einer außergewöhnlichen Bronze-Figur 'Zeus als Stier' erfolgreich vertreten (4.800 €).
Historisches und Modernes war beim Silber gleichermaßen gefragt: Das Paar klassischer Empire-Girandolen mit Meisterzeichen ‚Godet‘ ging für 3.600 € an einen ausländischen Telefonbieter. Bei dem modernen Set von Tee- und Kaffeekanne mit Stövchen aus der Serie 'Alta', das seinen Anfangspreis weit hinter sich ließ, setzte sich schließlich eine engagierte Saalbieterin durch (4.800 €).
Bei den Möbeln dominierten die Klassiker des 18. und 19. Jahrhundets: Ein seltenes Paar klassizistischer Eckkonsolen des Pariser Ebenisten Guillaume Grohé ging für 2.400 € an einen deutschen Kunstsammler. Eine besondere Preziose in dieser Sparte war die höfische Weltzeit-Turmuhr mit St. Petersburger Provenienz. Ihr rotierendes Zifferblatt zeigt die Namen der großen Haupt- und Handelsstädte des 19. Jhs. (12.000 €).
Jugendstil und Design wurden angeführt von den international bekannten Größen der modernen Gestaltung und des Kunsthandwerks: Bei einem Satz von 4 Gallé-Tischen mit Intarsien fiel der Hammer bei 3.000 €. Die Stehlampe 'Cometa' von Ettore Sottsass erzielte 2.800 €.
Die Schmuck-Offerte stand ganz im Zeichen der großen Steine: Die Brosche mit großem Altschliffdiamant-Solitär von 5,5 ct. wurde für 23.000 € zugeschlagen. Neben weiteren hochkarätigen Schmuckstücken fand auch ein außergewöhnlicher Brilliantarmreif mit Pferdekopf großen Anklang (9.800 €). Ebenfalls sehr gefragt war die Sammlung edler Schreibgeräte – allesamt Sondereditionen, die nahezu komplett an einen ausländischen Telefonbieter gingen.