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Opening 15 November 2013, 6 - 9 pm
Sich porträtieren zu lassen setzt zwei Akteure
voraus, den Fotografen und den Porträtierten.
Zueinander stehen sie in einem
Abhängigkeitsverhältnis, denn während der eine
über den richtigen Moment der Aufnahme
entscheidet, kann der andere ihn nur erwarten.
Gleichzeitig liegt es in der Hand des Porträtierten,
mittels verschiedener Posen den Fotografen zu
einer Entscheidung zu nötigen. Der Fotograf kann
seinerseits in diesem Wechselspiel zu
ungewöhnlichen Perspektiven und Bildausschnitten
greifen, sich selbst dabei in Bewegungsposen
begeben. Die Verstellung in der Pose wird zudem
durch den Umstand erleichtert, dass sich zwischen
den Porträtierten und den Porträtierendem der
technische Apparat in Form des Kameravolumens,
des Stativs und der Beleuchtung schiebt.
Dieter Kiessling bringt dieses ungleiche Verhältnis
in seiner 2013 entstandenen Fotoreihe „people in
mirror are closer than they appear“ zum Kippen,
indem er beide Akteure nebeneinander stellt und in
einen Spiegel schauen lässt. Die Bewegungs- und
Darstellungsaktivität beider wird dadurch minimiert.
Das posenhafte Agieren vor der Kamera auf der
einen Seite und das suchende Hantieren und
Auslösen der Kamera auf der anderen Seite weicht
einem sachlichen Ernst. Die Aufmerksamkeit
füreinander im Nebeneinander des Stehens
bestimmt jetzt das Verhältnis. Außerdem ist der
Porträtierende selbst Teil des Bildgeschehens.
Darüber hinaus wird aus der Zweiersituation der
Porträtfotografie eine Dreiecksbeziehung. Denn der
Düsseldorfer Medienkünstler wählt die Größe der
Porträts so, dass sie die Möglichkeit eines
Rollentausches bieten. Dargestellt in etwa 90
Prozent ihrer realen Größe, nimmt der Betrachter
die Porträtierten als reales Gegenüber wahr. Er fragt
sich unwillkürlich: Wie würde ich auf dem Bild
dastehen? So treffen sich Blicke in dieser
Anordnung mehrfach, im Spiegel, in der Kamera, in
uns.
Für den ersten Moment ist dabei nicht klar, dass
einzig unser Blick in dieser Konstellation nicht
erwidert wird. Wir Betrachter positionieren uns,
nehmen vielleicht sogar eine Pose ein, vergleichen
die Körperhaltung mit dem Gegenüber: Sind wir
entspannt oder angespannt, betont aufmerksam
oder betont gefasst? Der Blick des Porträtierten
nach außen wird zu einem Blick auf unser Inneres,
zu einem Imaginieren des auslösenden Moments
mit seinen Entscheidungen hin auf gültige
Dauerhaftigkeit.