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Ausstellung

BLOWBACK – Ausstellung in Berlin

BLOWBACK
Nature Morte Berlin freut sich BLOWBACK
anzukündigen, eine Einzelausstellung neuer
Arbeiten der Künstlerin Rajkamal Kahlon, die vom
13. September bis zum 2. November, 2013, zu
sehen sein wird.

Blowback ist ein Begriff der CIA, eine Metapher für
die unbeabsichtigten Folgen verdeckter
Operationen gegen andere Länder und
Regierungen. Die Anschläge auf das World Trade
Centre und das Pentagon vom 11. September sind
Beispiele für einen Blowback geheimer
amerikanischer Operationen in Afghanistan. In der
Ausstellung BLOWBACK benutzt Rajkamal Kahlon
diesen Begriff um das Verhältnis von frühen
anthropologischen Darstellungen und dem
modernen Terrorismus zu untersuchen. Durch
Kahlons Arbeiten wird ein Zusammenhang zwischen
westlichen Repräsentationen vormals kolonisierter
Subjekte und Akten politischer Vergeltung sichtbar,
die heutzutage als Terrorismus bezeichnet werden.

Die Arbeiten in BLOWBACK zeigen Bilder von
„Eingeborenen“, die Kahlon in niederländischen und
deutschen Anthropologiearchiven des neunzehnten
und zwanzigsten Jahrhunderts aufstöberte, und
stellen sich diese in der Rolle moderner Terroristen
vor. Sie versucht dadurch jenen Leuten Leben
einzuhauchen, oder vielleicht sogar eine Stimme zu
geben, deren eindringliche und anonyme Bilder
noch immer in den imperialen Archiven Europas
versteckt sind. Die Präsenz von schwarzen und
braunen Körpern in westlichen Gesellschaften wird
häufig als eine Bedrohung wahrgenommen. Indem
sie mit dieser Angst spielt und sie auf die Spitze
treibt, macht Kahlon jene Menschen zu einer Waffe,
die zu wissenschaftlichen Objekten degradiert, und
jeglicher Autonomie beraubt worden waren.
Dadurch gelingt es ihr die unheimliche Verbindung
zwischen imperialen Bildern der Vergangenheit und
der Gegenwart aufzuzeigen.

BLOWBACK basiert auf „Double Take“, einem
anderen neuen Projekt der Künstlerin. Dieses
Projekt besteht aus einer Reihe von lebensgroßen
Aquarellporträts und verfälschten Gravierungen aus
dem neunzehnten Jahrhundert, bei denen die
eigentlich als Belehrung gedachte kolonialistische
Propaganda verändert und umgeschrieben wird. Die
Ausstellung greift außerdem auf zwei kürzlich, in
unterschiedlichen Archiven durchgeführte,
Rechercheprojekte der Künstlerin zurück. Die erste
Phase der Recherche, die in der New Yorker Zentrale
der American Civil Liberties Union stattfand, und
von der Lambent Foundation finanziert wurde,
befasste sich eingehend mit dem Archiv für
Folterdokumente, Todesurkunden und
Autopsieberichte, die seit dem Anfang der Kriege in
Irak und Afghanistan erstellt worden waren und
welche infolge des Freedom of Information Act
Gerichtsprozesses veröffentlicht wurden. Die zweite
Recherchephase, die vom Goethe Institut finanziert
wurde und im Amsterdamer Tropenmuseum
stattfand, untersuchte die anthropologischen
Bestände, sowie die umfangreiche Sammlung
kolonialer Photographien des Museums, das
anthropologische Expeditionen aus dem frühen
zwanzigsten Jahrhundert enthält, bei denen die
Körper der Einheimischen gemessen und
klassifiziert wurden.

In BLOWBACK befasst sich Kahlon mit den
Übersetzungsmöglichkeiten zwischen Archiv und
Kunstwerk. Die Arbeiten benutzen eine Reihe von
Techniken, die allesamt darauf abzielen die Würde
der kolonialisierten und fotografierten Menschen
wiederherzustellen. Anhand der verschiedenen
visuellen Mechanismen ihrer Arbeit, versucht
Kahlon jenen Menschen eine lebendige und aktive
Präsenz zu verleihen, die vormals von genau
demselben Archiv, dass andererseits ihre
schweigenden Bilder bewahrt hat, beherrscht,
untersucht, ihres Bildes beraubt, kategorisiert und
letztlich für immer mundtot gemacht wurden.

Eine der Arbeiten, eine Art dreidimensionale
Collage, irgendwo zwischen Gemälde und Skulptur,
zeigt eine lebensgroße Pappfigur eines
dunkelhäutigen Mannes, die in der Mitte des
Raumes steht, ein fernes Echo von Da Vincis
berühmtem „Vitruvianischen Menschen“, der die
mathematische Perfektion menschlicher
Proportionen repräsentiert und häufig als Symbol
der europäischen Moderne gesehen wird. Aber
anstelle einiger seiner vier Arme und Beine, hat
dieser dunkle vitruvianische Mensch Raketenwerfer
und Maschinengewehre und verbindet somit
Schönheitsideale mit terroristischer Gewalt,
moderne Rationalität mit Kolonialisierung. Diese
zentrale Figur wird begleitet von passenden
Thaumatropen, rotierenden, prä-kinematischen
optischen Spielzeugen aus dem neunzehnten
Jahrhundert, die, durch einen besonderen Effekt auf
der Netzhaut, zwei verschiedene Bilder zu einem
verschmelzen lassen. Des Weiteren ist eine
Stop-Motion Animation im Fenster zu sehen, die
der selben Figur Bewegung verleiht. Die Arbeiten
kreieren dadurch eine Verbindung zwischen
stehendem und bewegtem Bild, zwischen Malerei
und Skulptur, der Vergangenheit und der
Gegenwart und zwischen Konstruktionen von
Opferrollen und Rache. Ein weiterer Teil der
Ausstellung ist eine große Leinwandzeichnung vom
Profil des dunkelhäutigen Vitruvianers, die ihn mit
einem Raketenwerfer unter seinem Arm zeigt, der
die Silhouette eines christlichen Kreuzes bildet.
Diese Zeichnung, genau wie zwei kleinere Porträts
in der Ausstellung, hat die Besonderheit einer
Bleistiftzeichnung auf Leinwand, die Elemente der
Malerei enthält. Kahlons künstlerischer Prozess
beginnt in den Archiven und bewahrt die graphische
Qualität ihrer ursprünglichen Quelle (schwarz-weiß
Bilder kolonisierter Menschen) durch die
Anwendung von Grafit und Farbe, und präsentiert
dem Zuschauer dadurch eine, durch die Einwirkung
der Künstlerin verändertes, wissenschaftliches
Dokument.

Rajmakal Kahlon ist eine amerikanische Künstlerin,
die in Berlin lebt und arbeitet. Für ihre Kunst
benutzt Kahlon ethnographische und militärische
Strategiebücher aus der kolonialen Ära des
neunzehnten Jahrhunderts, anhand derer sie
Darstellungen des kolonial Anderen zu untergraben
oder zu zerstören sucht. Indem sie groteske und
kriminalisierte Körper in die makellosen Narrativen
unserer Geschichte und der gegenwärtigen Realität
einfügt, öffnet sie einen Raum für eine
schmerzhafte, obgleich befreiende, Selbstprüfung.
In Kahlons Arbeiten ist man immer beides,
Kolonisator und Kolonisierter, mächtig und
machtlos zugleich. Kahlon untersucht die
unausgesprochenen Wahrheiten unserer Geschichte,
entgegen ihrer offiziellen Darstellung. Mit Hilfe
ihres beißenden Humors untergräbt sie somit den
Glauben an die absolute Rechtmäßigkeit unserer
eigenen Positionen.

Kahlon erhielt einen MFA vom California College of
Art, studierte an der Skowhegan School of Painting
and Sculpture und nahm am Whitney Independent
Study Program teil. Kahlons Arbeiten wurden bereits
in Museen und Stiftungen in Nordamerika, Europa
und Asien gezeigt, unter anderem in der 2012
Taipei Biennale, dem Haus der Kulturen der Welt, im
Wilhelm Hack Museum, dem NGBK, dem Queens
Museum of Art, dem Artists' Space, der White Box
und bei Apex Art. Im Jahr 2012 erhielt Kahlon ein
Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds und
Künstlerstipendien des Goetheinstituts und des
Lambent Projects. Kahlon erhielt den Joan Mitchel
Painting and Sculpture Award und ist eine
ehemalige Stipendiatin der Lambent Foundation.
Dieses Jahr wird Kahlon am Meeting Points 7 der
WHW teilnehmen, einer zweijährigen
Kunstveranstaltung, die sich über viele Städte
Europas, des Nahen Ostens und Asiens erstrecken
wird.

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