artinfo24
Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Ausstellung

OBSERVATION – Ausstellung in Berlin

OBSERVATION
In der aktuellen Ausstellung "Observation" zeigt die Galerie Gebr. Lehmann Polaroids von Horst Ademeit (1937 - 2010).
Ademeit widmete sich fast 20 Jahre (1989 - 2007) lang seinem chronologischen Tagebuch aus Observations- und Tagesfotos um den Einfluss von Kältestrahlen auf sein Wohnumfeld in Düsseldorf - Flingern zu dokumentieren. Die Ränder der Polaroids sind mit mikroskopisch kleiner Handschrift versehen: Es sind Bemerkungen, Beobachtungen und Theorien zu dem, was auf den Fotos zu sehen ist - und zu dem, was nicht zu sehen ist. Er platzierte Messgeräte wie Thermometer, Geigerzähler, Feuchtigkeitsmessgeräte und Kompasse sowie Lebensmittel auf Tageszeitungen und versuchte so die Strahleneinwirkung auf ihn und das was ihn umgibt sichtbar zumachen. In dieser Werkgruppe der Tagesfotos hält Ademeit jeden Zustand visuell fest, notiert seine subjektiven Wahrnehmungen wie Gerüche oder Geräusche und verknüpft diese mit den Ereignissen aus dem Weltgeschehen, welche er in den Zeitungen findet oder dem Radio entnimmt. Bis zu seinem Tod fertigte Ademeit 6006 Tagesfotos an.
Die zweite Werkgruppe, die Observationsbilder, zeigt die akribische Beobachtung seines Umfeldes. Er notiert auf den Fotografien die Standorte von Autos und die Dauer wie lange sie dort schon parken, stehen gelassene Fahrräder oder Baustellen zeigen für ihn genauso den Einfluss der Strahlen wie das Verhalten von Spinnen in seiner Wohnung oder der Schildkröten des Nachbarn im Innenhof. Ihr Verhalten wird von Ademeit beobachtet und ausgewertet. Auch sein eigener Körper dient ihm als Visualisierung der schädlichen Außeneinwirkung. Er selbst beschreibt dies als ein ursprüngliches Registrieren, Fotografieren von Tatsachen zum eigenen Schutz. (Vgl. Rosenau, Mirja: Ademeits Welt, In: Art. Das Kunstmagazin, Ausgabe 10/2010, S.76-82, S.82)
Die Polaroids dienen dabei nicht als Beweismittel des Strahlenphänomens, sondern dokumentieren lediglich durch ihre nicht zu manipulierende Unverfälschbarkeit den Zustand und das Vorhandensein der Strahlen.
Kunsthistorisch lässt sich Horst Ademeit dem von Jean Debuffet geprägten Begriff der Art Brut oder der Outsider Kunst zuordnen, da er nur kurze Zeit bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie immatrikuliert war, aber keine abgeschlossene Ausbildung als Künstler absolvierte und sein dokumentarisches Werk als eine Dringlichkeit zum Selbstschutzes und für den Privatgebrauch gedacht war. Gerade seine Beschäftigung in Sujet, Technik und Form zeigt eine innere Notwendigkeit und Innovation, welche ihn klar bei den Vertretern der „rohen Kunst“ wie Adolf Wölfli oder Morton Bartlett einreihen lässt. Gleichzeitig finden sich in seiner Arbeitsweise aber auch kunsthistorische Strategien der Konzeptkunst, die ihn bei Künstlern wie Roman Opalka und On Kawara verorten.
Sein Werk wurde u. a. 2011 im Hamburger Bahnhof in der Ausstellungsreihe "secret universe" und 2012 auf der 30. Biennale in São Paulo gezeigt und ist nun erstmals in der Galerie Gebr. Lehmann zu sehen.

Weitere Ausstellungen 2013

25
19.01.2013–02.03.2013
25
In the Air tonight
19.01.2013–16.03.2013
In the Air tonight
BORDERLINE
19.03.2013–25.05.2013
BORDERLINE
Traces
27.04.2013–01.06.2013
Traces