Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Ina Weber sammelt öffentliche Gebäude,
die sie zu Architekturplas-tiken
verkleinert. Die Bildhauerin greift
Bauwerke aus dem urbanen Raum auf, die
für Aufbruch, Mobilität und Modernität
stehen: Industriearchitektur nach 1890,
Bauhausarchitektur der 20er Jahre, 60er
Jahre Moderne in Ost und West,
Plattenbauten, Tankstellen,
Schwimmbäder, Casinos, aber auch
Haltestellen oder Fußgängerzonen mit
70er Jahre Mobiliar. Ihre Arbeiten
erscheinen wie Modelle und sind doch auf
die eigene Körpergröße reduzierte
Plastiken, die nach eigenen Fotografien
entstehen.
Ina Weber untersucht mit ihren
architektonischen Plastiken
gesellschaftliche Utopien des späten 19.
und 20. Jahrhunderts. Sie hinterfragt
deren Wirkung im Zusammenhang heutiger
europäischer Metropolen. In der
Ausstellung entsteht eine
Laborsituation, die urbanistische
Dynamiken aufzeigt und diese auf ihre
utopische Halbwertszeit hin untersucht,
um sie mit dem Betrachter zu
diskutieren.
Durch Strategien der Verkleinerung,
Verniedlichung und Verharmlosung gelingt
es Ina Weber humorvoll und ironisch
Distanz zu den einstigen Symbolen des
modernen Komforts herzustellen. Dabei
öffnet sie ein Bewusstsein dafür, wie
der letzte Schrei der
Fortschrittlichkeit sich allmählich in
Hässliches und Ausgedientes verwandelt,
wie einstige Zukunftseuphorien in
Resignation und Nutzlosigkeit
umschlagen. Dem Vergänglichen wohnt
immer auch ein Stück Schönheit und Würde
inne. Weber ist dieser Aspekt wichtig,
sie arbeitet ihn heraus, indem sie
ausschließlich Originalmaterialen
einsetzt. In ihren Plastiken, vor allem
aber auch in ihren realistischen
Zeichnungen, führt Ina Weber einen
Prozess der Umwertung vor, vor dem die
meisten Menschen im Alltag ihre Augen
verschließen. So kann man ihre Arbeiten
auch als Arbeit an den
Wahrnehmungslücken im urbanen Umfeld
begreifen.
Die Ausstellung im Haus am Waldsee wird
den besonderen Umgang Ina Webers mit
öffentlichen Räumen, Architekturen,
Erinnerungen, Utopien und Realitäten,
den die Künstlerin seit über 15 Jahren
konsequent verfolgt, zum ersten Mal in
einer Berliner Institution vor einem
großen Publikum ausbreiten. Eine zweite
Ausstellungsstation ist im Frühsommer
2013 für die Städtische Galerie
Delmenhorst geplant.
Die Künstlerin lebt und arbeitet nach
einem Studium bei Martin Kippenberger an
der Kunstakademie Düsseldorf in Berlin.
Es erscheint ein Katalog im Verlag
Walther König.
Gefördert durch den Senat von Berlin,
Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von
Berlin, Hauptstadtkulturfonds, Freunde
und Förderer des Hauses am Waldsee e.V..
Medienpartner taz.dietageszeitung, TIP
Berlin, Monopol – Magazin für Kunst und
Leben