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Ausstellung

Die Aufgabe des Übersetzers – Ausstellung in Berlin

Die Aufgabe des Übersetzers
Joanna Rajkowska
ﻭظيفهسى مترجمك  / Die Aufgabe des Übersetzers

04. Februar – 12. März 2011
Eröffnung 04. Februar 2011, 18 – 21 Uhr

Joanna Rajkowska ist bekannt als eine Künstlerin, die mit dem öffentlichen Raum arbeitet. Das Ausgangsmaterial ihrer Arbeiten sind das Kollektive Gedächtnis und die Identitäten von Gesellschaften. Ihr aktuellstes Projekt Die Aufgabe des Übersetzers, das sie im letzten Jahr in Konya (Türkei) begann, reflektiert die Mechanismen und Konsequenzen der Sprachreform, die 1928 von Kemal Mustafa Atatürk in der neu gegründeten Türkei eingeführt wurde.

Während dieser Sprachreform wurde das persisch-arabische Alphabet gegen das erweiterte lateinische, das sogenannte Neue türkische Alphabet ausgetauscht. Weiter wurden mehrere arabische und persische Lehnwörter durch teilweise völlig neu gebildete türkische Äquivalente ersetzt. Mit dieser Thematik setzt sich Rajkowska in ihrer Arbeit aus der Perspektive eines der wichtigsten humanistischen Texte des 20. Jahrhunderts auseinander; dem Essay Die Aufgabe des Übersetzers von Walter Benjamin, der die Einführung der deutschen Ausgabe des von Benjamin ins Deutsche übersetzten und 1923 veröffentlichten Gedichtbandes Tableaux parisiens von Charles Baudelaire darstellte.

Benjamin versteht die Aufgabe des Übersetzers als das Streben nach der “reinen Sprache”: »... Die wahre Übersetzung ist durchscheinend, sie verdeckt nicht das Original, steht ihm nicht im Licht, sondern lässt die reine Sprache, wie verstärkt durch ihr eigenes Medium, nur um so voller aufs Original fallen.…« Im Hinblick darauf, dass in der zeitgenössischen Türkei die osmanische Sprache nur einer kleinen Gruppe von Spezialisten bekannt ist und die Verwendung dieser Sprache als politische und religiöse Geste gesehen wird (das persisch-arabische Alphabet ist ausschliesslich dem Koran vorbehalten), fragt die Künstlerin: Was geschieht mit der Bedeutung der schriftlichen Aufzeichnung, wenn ihre visuelle Form geändert wird? Was geschah mit der türkischen Kultur und Identität nach 1928? Was bedeutet ein „Austausch“ der Identität für eine Gesellschaft und welche Prozesse führen zur Verdrängung der eigenen Kultur und deren Ersetzen durch eine andere, eine neue Kultur?

Rajkowska zeigt den Prozess der Übersetzung in einer einfachen Geste, indem sie Benjamins Die Aufgabe des Übersetzers in das heute als eine der toten Sprachen geltende Osmanische übersetzen ließ. Diese Textversion stellt sie in einem in limitierter Auflage herausgegebenen Künstlerbuch sowohl der deutschen, als auch einer in neuem Türkisch und einer direkt aus dem osmanischen in lateinische Buchstaben übertragenen Version gegenüber. Einen Teil dieser Bücher hat sie an Bibliotheken in der Türkei verteilt, wobei anzumerken ist, dass heute für den Großteil der türkischen Bevölkerung aus oben genannten Gründen sämtliche Archivalien, Literatur und Poesie des osmanischen Reiches von vor 1928 nicht zu verstehen sind.

Das Projekt erscheint durch die Stadt Berlin als Ausstellungsort, sowie durch die mit der Stadt eng verbundenen Biografie Walter Benjamins in einem neuen Licht. Walter Benjamin, ein deutsch-jüdischer Intellektueller aus Berlin, wurde 1933 gezwungen, ins Exil zu gehen und beging 1940 auf der Flucht vor den Nazis Selbstmord. Einen weiteren Aspekt der Betrachtung der Arbeit bildet Kreuzberg als Stadtteil, in dem die Ausstellung stattfindet; der Großteil der Bewohner stammt aus dem als konservativste Gegend der Türkei geltenden Anatolien. Nicht zuletzt wird Die Aufgabe des Übersetzers von Rajkowska zeitgleich mit einer großen Integrationsdebatte in Deutschland gezeigt; gerade erst erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel, »...Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!...« und Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab wird in einer Auflage von mehr als einer Millionen Exemplaren verkauft.

Die Ausstellung in der Galerie ZAK | BRANICKA ist eine Weiterführung des Projektes Benjamin in Konya, das 2009/2010 im Rahmen der Ausstellung My City entstand. My City wurde als Teil des Cultural Bridges Programme der Europäischen Union vom British Council in Zusammenarbeit mit Anadolu Kültür und Platform Garanti Contemporary Art Centre organisiert.

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